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Stegreiftheater mit Alltagsszenen zur Inklusion

Stegreiftheater mit Alltagsszenen zur Inklusion

Ein Blick aus dem Publikum auf die Bühne. Im Hintergrund sieht man das alte Rathaus. Auf der Bühne stehen mehrere Akteure und spielen einen Empfang an Stehtischen.

Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche haben wir einen Abend anlässlich des 425-jährigen Jubiläums der Neustadt Hanau gestaltet. Es gab Eindrücke in den Alltag von Menschen mit körperlicher oder kultureller Beeinträchtigung in einem Stegreiftheater.

Es ist Freitag, der 23. September 2022 bei bestem Wetter und sogar Sonnenschein. Das Checker-Team von Menschen in Hanau hat lange geprobt und das Stegreiftheater vorbereitet. Wir zeigen Alltags-Szenen aus dem Leben von Rollstuhlfahrer:innen und Menschen mit einer Sehbehinderung oder auch von Menschen aus einem anderen Kulturkreis, wie sie nicht nur in Hanau auftreten.

Der Marktplatz füllt sich zu Beginn sehr schnell. Zusammen mit Pfarrer Rühl eröffnet Daniel als Mitglied des Vorstands von Menschen in Hanau e.V. die Veranstaltung. Musikalische Begleitung gibt es durch das Duo Mirjam Wolf und Burkhard Rieger. Daniel betont, dass diese Veranstaltung und das Theaterstück religionsfrei sind und Menschen aller Glaubensrichtung sowie Atheisten herzlich willkommen sind. Menschen in Hanau steht für gelebte Vielfalt und Inklusion, heißt daher immer alle Menschen willkommen.

Szene 1 – Kontraststreifen und Leitlinien

Unsere Akteure aus dem Checker-Team gehen auf die wichtigen Kontraste und Leitlinien für sehbehinderte Menschen ein. Während Marc-Eric mit seinem Blindenstock am Rand wartet, werden Kontraststreifen in Form von neon-gelben Klebestreifen auf dem Boden angebracht. Diese sind für ihn gut sichtbar.

Oftmals fehlt im städtischen Bereich die Führung für sehbehinderte Menschen. In Hanau gut umgesetzt sind die neu ausgebauten Bushaltestellen und auch der Freiheitsplatz mit den weißen Leitlinien. Aber auch hier gilt: diese können nur genutzt werden, wenn sie nicht zugestellt werden!

Empfehlenswert auch: Was sind Leitlinien?

Relevante DIN-Normen werden während der Vorstellung immer durch Marianne erwähnt und kurz erklärt. In diesem Fall unter anderem: DIN-Norm 18040-3, die Planungsgrundlagen für einen barrierefreien öffentlichen Verkehrs- und Freiraum regelt.

 

Szene 2 – Stufen und Rollstuhlrampe

Stufen, schon von geringer Höhe, sind für Rollstuhlfahrer:innen (aber auch Menschen mit Rollator oder Kinderwagen) eine unumwindbare Barriere. Pedram möchte gerne eine Treppe hinauf, aber hierfür ist eine mobile Rampe nötig. Diese kann auf eine Länge von 2.4 m aber gerade mal 14 cm überwinden – für alles höhere muss man als Person im Rollstuhl schon sehr geübt und sportlich sein. Ohne fremde Hilfe geht da oftmals nichts.

Der Aufbau einer solchen Rampe ist aber nicht gerade einfach. Dennoch gibt es entsprechende Lösungen für Geschäfte und öffentliche Gebäude. Auch wir von Menschen in Hanau haben damals unter Federführung von Rita Ebel, die das auch jetzt noch als LEGO-Oma weiter macht, das Projekt Mobile LEGO-Rampen gestartet – sicher kennt ihr die eine oder andere…

Unter anderem relevante Norm: DIN-Norm 18040-1 mit Aussagen zu Treppen und Rampen

 

Szene 3 – Bushaltestelle und Busfahrt

Wer kennt es nicht… man wartet auf den Bus an der Haltestelle. Die Checker zeigen in dieser Szene eine typische, häufig vorkommende Alltagsszenen mit folgenden wichtigen Aspekten:

  1. Wie erfährt überhaupt ein sehbehinderter Mensch welcher Bus als nächstes kommt? Hierzu wird die Fahrgastinformation genutzt, die mittels Hörtaster den nächsten Bus ansagt. Zu finden in Hanau unter anderem am Marktplatz.
  2. Der Bus ist schon voll, aber wer darf mitfahren? In unseren Bussen ist nur Platz für maximal 2-3 Rollstuhlfahrer:innen und/oder Kinderwägen. Falls Fahrradfahrer den Bus nutzen und jemand im Rollstuhl oder mit Kinderwagen mitfahren möchte, muss der Radfahrer in Deutschland Platz machen und aussteigen.

Pedram schafft es mit seinem großen E-Rolli leider nicht mehr in den Bus und betätigt am Ende den Hörtaster erneut: “Sie haben den letzten Bus verpasst. Der nächste Bus kommt Samstag morgen um 8:30 Uhr.” Er fährt alleine weiter… Auch das ist nicht unüblich.

Unter anderem relevante Norm: Aussagen zu Informationseinrichtungen bei Haltestellen im ÖPNV sind auch wieder in der DIN-Norm 18040-3 aber auch in weiteren DIN-Normen zu finden. Wichtig hier: das 2-Sinne Prinzip – es müssen zwei der drei Sinne (hören, sehen, fühlen) angesprochen werden.

 

Szene 4 – Empfang im Restaurant

Noch etwas typisches? Man ist zu einem Empfang eingeladen, freut sich riesig darauf und dann merkt man, dass nur Stehtische aufgebaut sind. Für Mitbürger:innen im Rollstuhl ist das nicht einladend, da sie weder über den Tisch schauen können, noch ihre Häppchen oder Gläser abstellen können. In der Szene wird daher auch vermittelt, wie sich Menschen, die stehen können, an einem viel zu tiefen Tisch fühlen. Das kann sich sicher jeder vorstellen…

Interessante Info: Der Euro-Schlüssel wurde als Zugangssystem zu Behinderten-Toiletten von einem Verein aus Darmstadt in den Markt eingeführt (CBF Darmstadt – Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e. V.). Weitere Infos hier.

 

Wir werden auch versuchen die gezeigten Szenen in Form von Videos zu präsentieren. Schaut einfach öfter mal bei uns vorbei…

Zum Abschluss haben alle Akteure und Zuschauer:innen gemeinsam ein rotes Band kreuz und quer durch die Reihen geführt. So zeigen wir Inklusion: zum Song “We shall overcome” verbinden wir alle Menschen auf dem Platz.

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