Die Bestände vieler Insekten, Vögel und anderer Tiere sind stark rückläufig. Um ihr Überleben zu sichern, sind mehr geeignete Flächen und heimische Pflanzen notwendig, um Nahrung aufnehmen und überleben zu können.
In der Stadt und auf dem Land gibt es nur noch wenige Ecken, wie zum Beispiel Naturschutzgebiete, die für Hummeln, Schmetterlinge und andere Tiere geeignet sind. Oft sind diese Flächen zu weit voneinander entfernt, damit Insekten hin- und her wandern können. Die wenigen verbliebenen Individuen bleiben unter sich, obwohl ein genetischer Austausch zwischen verschiedenen Beständen wichtig für das Überleben der Arten ist.
Indem wir heimische Pflanzen in unseren Garten setzen, Totholz ablegen oder Nistmöglichkeiten anbieten, schaffen wir für Insekten Zwischenstationen, um Nahrung aufzunehmen, sich zu vermehren und weiter ziehen zu können. Gemeinsam können wir ein Netzwerk des Überlebens schaffen!
Zunächst gilt es, die richtigen Pflanzen zu finden. Die oft im Handel angebotenen Zierpflanzen oder exotischen Pflanzenarten helfen den Insekten nicht viel. Nur in unserer Region heimische Arten bieten angemessene Nahrung und Lebensraum für Insekten. Eine umfassende Übersicht, welche Pflanzen geeignet sind, findet sich auf NaturaDB . Hier werden die einzelnen Pflanzen mit ihren Standortbedürfnissen und die jeweilige Bedeutung für Insekten dargestellt. Kaufangebote für Saatgut und Pflanzen sind ebenfalls vorhanden.
Im Rahmen der Kampagne des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) „Tausende Gärten – Tausende Arten“ werden auch regionale Saatgutmischungen angeboten. Auf einer „Grünen Landkarte“ sind nächstgelegene Gärtnereien zu finden, die regionale Pflanzen anbieten.
Schon ein Balkon kann mit geeigneten Pflanzen in Töpfen und Kübeln ein wunderbares Refugium für Insekten bieten. Das Online-Magazin „Wilder Meter“ für einen insektenfreundlichen Natur-Balkon gibt Tipps und Anregungen.
Der eigene Garten bietet viele Möglichkeiten, die Fläche naturnah in einen wertvollen Lebensraum umzuwandeln. Dies beutete aber nicht, den Garten einfach verwildern zu lassen! Jeder kann hier nach seinem eigenen Geschmack arbeiten – zum Beispiel heimische Glockenblumen in das Staudenbeet zwischen die Dahlien und Chrysanthemen zu setzen. Ein wichtiger Grundsatz aber gilt immer: In einem Naturgarten sollten keine Pflanzenschutzmittel, synthetische Mineraldünger oder Torf zum Einsatz kommen.
Bei einer Rasenfläche können zum Beispiel Flächen später gemäht werden, um einige Pflanzen wie Margariten, Gänseblümchen und Klee zur Blüte kommen zu lassen. Das Mahdgut wird regelmäßig abgeräumt und kompostiert. So können sich auf der Rasenfläche auf Dauer andere Pflanzenarten, nämlich die der Magerweiden, vermehrt durchsetzen.
Ist eine Wildblumenwiese angelegt, wird sie 3-mal im Jahr gemäht, wobei der erste Schnitt im Juni erfolgt.
Für das Staudenbeet gibt es eine Vielzahl von Pflanzen, die wahre Insektenmagnete sind und dazu auch noch schöne, farbenfrohe Blüten bilden. Pflanzenstauden halten oft über mehrere Jahre, so dass die Beete nicht jedes Jahr neu angelegt werden müssen. Wichtig ist aber, verblühte Pflanzen über den Winter stehen zu lassen, da viele Insekten die verwelkten Pflanzenteile zum Überwintern nutzen. Wer aus ästhetischen Gründen die verwelkten Teile trotzdem entfernen möchte, kann dies tun, nachdem im Frühling die Temperatur zwei Wochen lang über 15 Grad gelegen haben. Meist ist dies zwischen Ende März und Mitte April der Fall.
Grundsätzlich ist es gut, seinen Garten reichhaltig mit verschiedenen Standorten und Lebensräumen zu versehen. So bieten Haufen aus totem Holz Lebensraum und Nahrungsquelle für viele Insektenarten, z.B. Käfer und Wildbienen. In lückig bewachsenen oder vegetationsfreien Bodenflächen können sich Larven von Wildbienen entwickeln. Diese Flächen sollten erhalten bleiben und dürfen nicht aufgelockert, gehackt oder geharkt werden! Trockenmauern und Steinhaufen bieten ebenfalls Lebensraum für viele Tiere. Dabei dürfen Mauern nicht verfugt oder die Fugen anderweitig verschlossen werden. Vorspringende Steine können beispielsweise Eidechsen zum Sonnen nutzen.
Neben Nistkästen für Vögel lassen sich auch Nisthilfen für Insekten im Garten anbringen. Dafür werden Kästen angeboten, die beispielsweise hohle Pflanzenstängel, Pappröhrchen, Hartholz oder Tonblöcke mit Bohrungen enthalten. Die Röhren müssen einseitig verschlossen und mindestens 10 cm tief sein.
Einige exotische Pflanzenarten breiten sich, obwohl in Mitteleuropa nicht heimisch, auf Kosten heimischer Pflanzenarten aus. Ergebnis dieser so genannten invasiven Neophyten sind dann großräumig bewachsene Flächen, die für unsere heimische Insektenwelt wenig Nahrung und Fortpflanzungsmöglichkeiten bieten. Zu diesen Pflanzenarten zählt zum Beispiel die kanadische Goldrute. Diese Arten sollten nicht in den Garten gepflanzt bzw. sollten entfernt werden. Eine ausführliche Liste invasiver Neophyten gibt es beim Bundesumweltministerium.
Weiterführende Informationen gibt es zum Beispiel auf den Internetseiten der Initiative „Tausende Gärten – Tausende Arten“, zum Beispiel über die Gestaltung von Lebensräumen, Pflege im Naturgarten und Pflanzenauswahl.
Gemeinsam können wir es schaffen, ein Netzwerk von Naturinseln über Hanau zu spannen, um Insekten mehr Lebensraum zu schenken und die Natur auf bessere Zeiten vorzubereiten!
Artikel von Bernhard Bauske / Bild von Cordula Bauske


