Es gibt Orte, an denen Vielfalt keine Debatte ist, sondern Alltag. Der Garten ist so ein Ort. Am Gartenzaun zählt nicht, woher jemand kommt oder was jemand arbeitet – sondern ob die Tomaten dieses Jahr etwas werden und wie man Schnecken vom Salat fernhält. Wer schon einmal durch eine Kleingartenanlage spaziert ist, weiß: Hier treffen Sprachen, Generationen und Anbautraditionen aufeinander wie sonst selten in der Stadt.
Dabei waren die kleinen Gärten von Anfang an mehr als nur Grün. Ihre Geschichte beginnt mit der Industrialisierung: Schon im 18. Jahrhundert vergaben Gemeinden und Wohlfahrtsorganisationen in Großbritannien Gartenland, um Armut zu lindern – und als die Landflucht im 19. Jahrhundert die Städte rasant wachsen ließ, wurden Gärten für viele Familien zur Überlebenshilfe. Aus der Not von damals ist eine Bewegung geworden: Heute gibt es in Deutschland fast eine Million Kleingärten.
Und sie sind gelebte Vielfalt – gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen bei den Menschen: In Kleingärten begegnen sich unterschiedlichste Menschen, weitgehend unabhängig von Herkunft, Alter, Beruf und Status. Viele Gärtner:innen mit internationaler Familiengeschichte bringen ihr Wissen mit: Gemüsesorten, die es hier kaum zu kaufen gibt, traditionelle Mischkulturen und Saatgut, das seit Generationen weitergegeben wird.
Zum anderen bei der Natur. Was viele nicht wissen: Gerade Kleingärten sind wahre Schatzkammern der Artenvielfalt. Eine britische Studie ergab, dass Gärten in 4 britischen Städten rund 85 % des Nektarangebots stellten und die größte Vielfalt an Nektarquellen bieten – wer gärtnert, spielt also generell eine wichtige Rolle beim Schutz von Hummeln, Bienen und Co. Und wie reich dieses Leben sein kann, zeigte eine Untersuchung der Wiener Kleingärten: Allein dort wurden 109 Wanzen- und 76 Zikadenarten entdeckt, viele davon auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Selbst kleine Stadtgärten wirken als „Trittsteinbiotope“, die Lebensräume miteinander vernetzen – ein Flickenteppich aus Beeten, der Insekten das Überleben in der Stadt ermöglicht.
Genau hier setzt auch unser Hummelprojekt an: Mit Blühflächen, Insektenhotel, Sandarium und Eidechsenhügel im Lindenaupark schaffen wir solche Lebensräume – und zeigen, dass jede noch so kleine grüne Fläche zählt.
Auch in Hanau hat das Kleingärtnern eine lange Tradition: Der Kleingartenverein Klausenweg besteht als eine der ältesten Anlagen der Stadt bereits seit 1914, dazu kommen viele weitere Vereine von dem KGV Bulau e.V. bis zum Kleingartenverein „Gartenfreunde Neuwirtshaus an den Kiefern“ e. V.. Und direkt neben dem Licht und Luftbad, wo unser Hummelprojekt ein insektenfreundliche Blühfläche angelegt hat, gärtnert der Kleingärtnerverein Alte May – seit über 60 Jahren.
Genau dort, wo Gärtnern, Natur und Begegnung zusammenkommen, setzen wir im September ein Zeichen: Bei unserem Erfahrungsaustausch „Nimm Platz für Vielfalt: Internationales Beetgeflüster„ am Donnerstag, den 10. September 2026, ab 18 Uhr im Licht und Luftbad teilen Menschen unterschiedlicher Kulturen ihre Garten-Geheimnisse – von Gemüseanbau über Mischkulturen bis zu heimischen Kräutern. Bring gerne Fotos aus deinem Garten oder eigenes Saatgut mit!
Das Highlight: Gemeinsam weihen wir eine „Bank gegen Ausgrenzung“ in Hanau ein. Sie findet ihren festen Platz an den Insektenfreundlichen Blühflächen – dort, wo künftig Menschen und Insekten gleichermaßen willkommen sind.
Komm vorbei, gärtnere mit und nimm Platz! Alle Infos zur Veranstaltung findest du hier.


