post-title Müll mit Schleife: Die dunkle Seite moderner Geschenke

Müll mit Schleife: Die dunkle Seite moderner Geschenke

Müll mit Schleife: Die dunkle Seite moderner Geschenke

Mehrere verschiedenfarbene Geschenktüten

Die Feiertage sind vorbei. Geschenke wurden ausgepackt, Verpackungen entsorgt, das Kinderzimmer ist wieder voller Spielzeug. Und doch bleibt ein Gedanke zurück – leise, aber hartnäckig. Einer, der mich nicht mehr loslässt.

Vor einigen Wochen habe ich gemeinsam mit meiner Enkelin ein Video über ein sehr beliebtes Spielzeug gesehen. Ein scheinbar harmloser Moment. Doch seitdem frage ich mich: Was geben wir unseren Kindern da eigentlich in die Hand? Vielleicht haben auch Sie diesen Gedanken schon einmal gespürt.

Ich nenne bewusst keine Markennamen. Es geht nicht um ein einzelnes Produkt. Es geht um ein System, das wir längst als normal akzeptiert haben.

Ein Spielzeug, vielfach verpackt. Schicht um Schicht. Ein Plastikbehälter, der sich per Knopfdruck öffnet. Darin ein weiterer, undurchsichtiger Plastikbeutel. Dann noch vier weitere. Am Ende bleibt: eine Plastikpuppe mit Schnuller, eine durchsichtige Plastikhaube fürs Gesicht – sofort Müll –, ein kleiner Plastikbehälter – ebenfalls Müll – mit einem Bikini aus Plastik, eine Plastikspritze mit Flüssigkeit, weitere Plastikbeutel und ein Zettel mit einer Sammelliste.

Und dann das „Spiel“:
Man spritzt der Puppe eine Flüssigkeit in den Mund, verschließt sie, schüttelt sie kräftig – und schaut zu, wie sie einen schleimigen Stoff ausspuckt. Plastikschleim. Der wird in einem Beutel aufbewahrt, während man auf einer Liste abhakt, welche Figur man „gezogen“ hat. Das war’s.

Was lernt ein Kind dabei?
Wo bleiben Fantasie, Kreativität, echtes Spielen?

Es gibt einen kurzen Moment der Überraschung. Mehr nicht. Danach ist alles vorbei. Einmal benutzt. Weggelegt. Und bald ersetzt durch die nächste Box, die nächste Verpackung, den nächsten Kauf.

Nachhaltigkeit? Keine.
Dafür ein endloser Kreislauf aus Kaufen, Auspacken, Wegwerfen.

Ist euch schon Mal aufgefallen, wie oft in dieser Beschreibung das Wort Plastik vorkommt?

Am Ende landet alles in der gelben Tonne. Wir trennen unseren Müll, wie man es uns beigebracht hat, und beruhigen unser Gewissen. Unsere Pflicht erfüllt.

Und nun ein paar Zahlen:
Im Jahr 2024 fielen in Hessen pro Kopf durchschnittlich 33 Kilogramm Leichtverpackungen an. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 104.000 (Stand 2024/2025) entspricht dies für Hanau einer Menge von circa 3.432 Tonnen. Stellen Sie sich diesen Berg vor, wenn eine Einweg-Plastiktüte aus dem Supermarkt etwa 5–8 Gramm wiegt – nur zum Vergleich.

Und was geschieht danach mit dem Plastik?

Viele von uns glauben noch immer, Plastik werde recycelt und sinnvoll wiederverwertet. Dass das der richtige Weg sei. Die Realität ist ernüchternd: Weltweit werden nur etwa zehn Prozent des Plastikmülls tatsächlich recycelt. Beim Zerkleinern entstehen Mikroplastikpartikel – kleiner als fünf Millimeter – und Nanoplastik, so winzig, dass es von modernen Filtersystemen nicht mehr aufgehalten werden kann. Es gelangt ins Abwasser, in Flüsse, Meere und Böden – und findet seinen Weg zurück zu uns.

Ein weiterer Teil des Plastiks wird verbrannt. Doch auch dabei verschwindet es nicht. Es zerfällt weiter, wird zu Mikro- und Nanoplastik und gelangt direkt in die Luft, die wir täglich einatmen.

Neue Verfahren wie die Pyrolyse werden als Hoffnungsträger präsentiert, doch bislang bieten sie keine echte, nachhaltige Lösung. Dabei entstehen Dioxine und Furane – hochgiftige organische Schadstoffe, die sich im Fettgewebe anreichern und über Jahre im Körper verbleiben.

Der größte Teil des Plastiks landet auf Deponien oder in den Ozeanen. Dort zerfällt es über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hinweg – immer weiter, immer kleiner. In den Ozeanen sogar besonders schnell. Und dann gelangt Nanoplastik in die Umwelt und in unsere Körper.

Heute ist Nanoplastik überall nachweisbar: in der Luft, im Wasser, in Lebensmitteln. Und inzwischen auch in uns. In unserem Blut. In unserem Gehirn. In der Plazenta schwangerer Frauen. Bei ungeborenen Kindern. In den Hoden von Männern.

Was ist mit unseren Kindern?

Sie können sich nicht schützen. Sie sind auf uns angewiesen. Auf unsere Entscheidungen. Auf unsere Aufmerksamkeit.

Ja, wir leben in einer Welt, in der Plastik allgegenwärtig ist – in der Medizin, in der Technik, im Alltag. Doch müssen wir unseren Kindern ausgerechnet solches Spielzeug geben? Müssen wir diese Form der Müllproduktion weiter anfeuern?

Die Rechnung dafür zahlen nicht wir allein.
Sie wird unseren Kindern präsentiert.
Und den Generationen nach ihnen – sofern es überhaupt noch eine nächste Generation gibt.

Wer sich tiefer mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, kann einfach im Internet recherchieren. Es sind bereits unzählige Studien, Artikel und Videos zu diesem Thema veröffentlicht worden. Die ermittelten Konzentrationen von Nanoplastikpartikeln variieren zwischen den Studien, was unter anderem auf unterschiedliche analytische Methoden sowie den begrenzten Zugang mancher Labore zu modernen und kostenintensiven Messgeräten zurückzuführen ist. Dennoch bestätigen die Ergebnisse übereinstimmend, dass Nanoplastik überall in der Umwelt vorkommt. Die potenziellen Auswirkungen reichen von DNA-Schädigungen bis hin zu weitreichenden ökologischen Veränderungen. Besonders alarmierend ist die Fähigkeit von Nanoplastik, elektrostatische Ladungen zu speichern und gefährliche Stoffe zu transportieren.

Studien weltweit zeigen schwere Schäden bei Tieren – bis hin zum Tod.
Und wir glauben ernsthaft, der Mensch werde von den Folgen verschont bleiben?

Wir Eltern und Großeltern dürfen dieses Thema nicht leichtfertig behandeln.
Es ist ernst. Sehr ernst.
Nicht irgendwann.
Nicht später.
Jetzt.

Denn es geht um die Gesundheit unserer Kinder –
und um die Welt, die wir ihnen hinterlassen.
Wenn es überhaupt noch so weit kommen darf.

Artikel von Katharina Frolow

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