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Ist KI der bessere Mensch?

Ist KI der bessere Mensch?

Eine Gruppe von Menschen sitzt zusammen und diskutiert

Diskussions-Abend

Das Thema KI (Künstliche Intelligenz) ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Kaum ein Lebensbereich ist noch frei davon. Wir fragen schnell ‚Chatty‘, ob er uns einen Text formuliert, lassen Claude ein Foto generieren oder geben Gemini den Auftrag, eine Reiseroute zu erstellen. Jede Anwendung von Schreibprogrammen über Online-Shops und vor allem Social Media bietet KI-Optionen an. Wir haben uns gefragt, was das mit uns als Gesellschaft und als Menschen macht und 18 Teilnehmende haben mit uns an einem Abend diskutiert. Joachim Volke führte in das Thema ein und leitete anschließend die Diskussion.

 

Eine Gruppe von Menschen sitzt zusammen und diskutiert

 

Eine andere Perspektive auf KI

Zunächst wurde in der Runde gesammelt, wo KI ihrer Meinung nach sinnvoll zum Einsatz kommt – Medizin, Forschung, Technologie wurden hier genannt. Selbst als Entlastung für Therapien, für Ersteinschätzungen, wurden Vorteile gesehen. Viel Kritik gab es beim Einsatz im Bereich generativer KI für Bilder und Videos, die in der Form von Deepfakes bereits jetzt großen Schaden anrichten können. Dabei ist der Runde bewusst, dass KI an sich Probleme nicht erzeugt, sie aber deutlich verstärkt und beschleunigt. 

Selbst Menschen, die KI entwickeln, warnen zum Teil vor einem bevorstehenden Kontrollverlust, so z.B. Sam Altman, der mit seiner Firma OpenAI ChatGPT entwickelt und für uns alle verfügbar gemacht hat. Und wenn sich die KI verselbstständigt? Wir haben uns gefragt, was treibt diese Modelle heute schon an – wofür und zu welchem Zweck wurden sie entwickelt? Und viel interessanter, welches Menschenbild und welche Ziele stecken dahinter?

Optimierung des Menschen durch KI

Liest man verschiedene Artikel und Interviews, begegnen uns häufig Wörter wie Optimierung, Superintelligenz, Transhumanismus, Übermensch etc.. Es wird also vom Menschen als etwas fehlerhaftem ausgegangen, der durch Technologie und KI verbessert werden muss – bis hin zur Idee, dass der menschliche Körper irgendwann überflüssig wird – Stichwort digitale Unsterblichkeit

Gehen wir aber davon aus, dass der Mensch durch Technik und KI immer weiter zu optimieren ist, stellt sich die Frage, was als fehlerhaft angesehen wird und was die Konsequenz daraus wäre. Sollen wir etwa alle mit Hilfe von implantierten Chips Wissenschaftler werden? Sollen wir durch Genmanipulation zu einer Art Superrasse werden? Und was passiert, wenn wir diese Optimierungen nicht mitmachen? Ausgrenzung könnte eine Folge sein, aber auch weitreichendere Eingriffe sind dann nicht mehr auszuschließen. Und wer würde über die Kriterien entscheiden, wer wie optimiert werden soll? 

Alle diese Visionen und Ideen erwecken nicht den Eindruck, als wollten sie alle in der Gesellschaft mitnehmen. Es geht scheinbar nicht um Gemeinwohl und soll nicht allen gleich dienen und nützlich sein. Aber wem dann? 

 

Eine Gruppe von Menschen sitzt zusammen und diskutiert

 

KI ist nie neutral

In der Runde haben wir diskutiert, dass KI-Modelle, egal von welchem Anbieter, nie neutral sind. Sie hängen immer von den Daten ab, mit denen sie lernen und die Entwickler werden immer entscheiden, welche Daten das sind und welche Ideologien und Weltbilder bevorzugt dargestellt werden. Es ist also wichtig zu wissen, wer hinter den Modellen steckt und wer darin investiert und davon profitiert. 

Wir können bereits jetzt im digitalen Raum Beeinflussung beobachten, sei es vor Wahlen oder bei politischen Themen. Und es gibt zurzeit wenige bis keine Regulierungen oder Gesetze, die diese Entwicklung steuert. 

Auch die Idee, dass KI auf Wahrscheinlichkeit basierte Entscheidungen treffen könnte, um damit beispielsweise Verwaltungsprozesse zu automatisieren, ist ein Trugschluss. Denn wenn eine KI mit fehlerhaften und voreingenommenen Daten gelernt hat, wird sie auch diskriminierende Entscheidungen treffen, die Minderheiten stärker treffen werden, als es bereits jetzt teilweise der Fall ist. Und trotzdem sehen wir, dass diese beeinflussbaren Technologien Einzug in politische Prozesse und juristische Entscheidungen erhalten und das weltweit.

‚Chatty‘, die KI unser Freund

Ein letzter Aspekt, den die Teilnehmenden diskutiert haben, waren zwischenmenschliche Beziehungen, für die KI auch eine immer wichtigere Rolle einnimmt. 

Für viele Menschen ist KI bereits Beziehungs- oder Therapieersatz. Immer mehr junge Menschen suchen im virtuellen KI-Chat den Freund oder die Freundin – außerhalb der Realität. Der Chat ist immer verfügbar, er widerspricht nicht, er ist nicht launisch und er hat keine „menschlichen“ Probleme. Und trotzdem suchen diese Menschen in der KI menschliche Nähe. Doch wir haben uns gefragt, kann Technik menschliche Nähe wirklich ersetzen? Die Einsamkeit nimmt in unserer Gesellschaft stetig zu und das bereits bei jüngeren Menschen. 

Fazit zum Thema KI

Wir haben in der Runde keine abschließenden Antworten gefunden, wohin wir uns mit KI und als Gesellschaft als solche entwickeln. Uns war wichtig, dass wir Wege finden, trotz dieser schnellen Entwicklungen unser Miteinander und unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren. Dazu braucht es Medienkompetenz, stabile zwischenmenschliche Beziehungen auf Augenhöhe und das Verständnis, dass wir als Menschen Fehler haben dürfen. Menschsein besteht darin, „Fehler“ und Schwächen haben zu dürfen und nicht darin, sich immer weiter perfektionieren zu müssen. 

Empfehlenswerte Literatur/Film:

N. Bostrom et al. 2003. The Transhumanist FAQ, v. 2.1. World Transhumanist Association  Webpage:nickbostrom.com/views/transhumanist.pdf

Catrin Misselhorn: Künstliche Intelligenz und Empathie. Vom Leben mit Emotionserkennung, Sexrobotern & Co. Reclam 2021

Rainer Mühlhoff: Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus. Reclam 2025

Dokumentarfilm von Florian Karner „Finding Connection“ von 2026. Es geht um das Leben von vier Personen, die ihr Leben mit einer KI teilen, die ihr Freund ist. Der Film wird in den folgenden Wochen noch in Frankfurt gezeigt.

„Ich bin dein Mensch“, Spielfilm von 2021. Die melancholische Komödie handelt von der Begegnung zwischen einer Frau (dargestellt von Maren Eggert) und einem humanoiden Roboter (Dan Stevens).

„Maschinen wie ich“, Roman von Ian McEwan, 2019.

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