In den letzten Jahren ist in unserer Gesellschaft das Thema „Alternative Wohnformen“ immer mehr in den Fokus gerückt. Während es in den umliegenden Städten wie Offenbach, Frankfurt und Aschaffenburg schon viele realisierte Wohnprojekte gibt, steckt in Hanau das Thema noch in den Kinderschuhen: es gibt zurzeit lediglich 3 gemeinschaftliche Projekte in Hanau.
Auf Initiative engagierter Bewohner*innen des selbstorganisierten Wohnprojektes „Altes Neuwirtshaus“ fand nun Ende Februar erstmalig in der VHS ein Workshop zum gemeinschaftlichen Wohnen statt. Nach kurzen, einleitenden Worten von Dr. Maximilian Bieri stellten die Bewohner*innen zweier Hanauer Projekte ihre jeweilige Wohnform vor:
„ILEX“ – zusammen(h)alt e.V.
Die Hausgemeinschaft „ILEX“ ist ein Wohnprojekt des gemeinnützigen Vereins „zusammen (h) alt“, dessen Vereinszweck die Förderung und Unterstützung selbstbestimmter und gemeinschaftlich organisierter Wohnformen für ältere Menschen ist. Die Bewohner*innen leben in einem barrierefreien Gebäude mit 16 Mietwohnungen in der Hanauer Weststadt. Im Haus gibt es Gemeinschaftsräume und alle Wohnungen haben Loggia oder Balkon. Alle Bewohner*innen nehmen am gemeinsamen Leben im Haus teil und bringen sich mit ihren Interessen, ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement ein. Individuelle Lebensweisen sollen und können gelebt werden, solange sie das Miteinander in der Gemeinschaft nicht beeinträchtigen. Gemeinschaftliche Aktivitäten in unterschiedlichen Gruppengrößen werden gefördert und unterstützt. Gegenseitige Unterstützung und Hilfe erleichtern das alltägliche Leben in der Hausgemeinschaft.
„Altes neuWirtshaus“ – Selbstverwaltetes Wohnprojekt
Im „Alten Neuwirtshaus“ leben 12 Erwachsene und 3 Kinder in einem ehemaligen Hotel in Hanau-Großauheim zusammen. Die Bewohner*innen verwalten ihr Haus selbst. Das ist möglich, da sie im deutschlandweiten Verbund des Mietshäuser Syndikats organisiert sind und das Haus als Gemeinschaft gekauft haben. So können sie sicher und selbstbestimmt und trotz steigender Mietpreise bezahlbar wohnen. Auf 490m² Wohnfläche befinden sich nach einem Umbau 3 Küchen, ein großes Wohnzimmer und ein Büro sowie die privaten Zimmer der Bewohner*innen. Beim Umbau stand und steht weiterhin die energetische Sanierung im Vordergrund – auch zukünftige Generationen sollen bezahlbar und nachhaltig in diesem Haus wohnen können. Auf dem 2600m² großen Grundstück verteilen sich ein Nutzgarten, Bienen, Fahrradschuppen, Werkstätten und ein Biergarten, der jetzt für gelegentliche Veranstaltungen und Partys genutzt wird. Das Haus bietet viel Freiraum für alle. Es können eigene Projekte verwirklichen werden, gemeinsame Ideen umgesetzt oder sich auch mal aus dem Weg gegangen werden. Die Gruppe hat einen hohen Anspruch aneinander und gleichzeitig eine große Fehlertoleranz. Die Bewohner*innen sind eingezogen, weil sie gerne mit sozial engagierten Menschen leben möchten und bezahlbaren Wohnraum wichtig für die Lebensqualität erachten.
Nach den überaus interessanten Präsentationen der beiden Wohnprojekte entstand eine lebhafte Diskussion, es wurden vielfältige Themen angesprochen sowie Informationen und Kontaktdaten ausgetauscht.
Als Fazit bleibt festzuhalten:
In Hanau besteht ein großes Interesse an gemeinschaftlichen Wohnformen. Für die weitere Entwicklung braucht es Vernetzung, politische Unterstützung, geeignete Räume, finanzielle Modelle sowie konkrete nächste Schritte – insbesondere die Prüfung von Leerständen und die Bildung engagierter Initiativgruppen.
Mal sehen, wie es mit dem Thema gemeinschaftliches Wohnen in Hanau weitergeht …
Autorin: Monika Matz



